REALO SHG - Transsexuelle Selbsthilfegruppe Drucken E-Mail
Samstag, 25. September 2010 um 17:22
In diesem Beitrag wird eine Selbsthilfegruppe vorgestellt, die bereits seit Jahren Ziel zahlreicher Anfeindungen und hetzender, diskriminierender Mobbing-Kampagnen ist. Und das alles, weil diese betroffenen Menschen eine eigenständige Selbsthilfe-Interessengemeinschaft gebildet haben, die ihre eigenen Bedürfnisse und Ansprüche abdeckt, wahrnimmt und vertritt und diese auch in Zukunft schützen und erhalten will.

Außerdem scheint es vielen ihrer Kritiker leider ganz und gar nicht in ihr eigenes Weltbild zu passen, dass die Menschen dieser Selbsthilfegruppe ihr Recht auf Meinungsfreiheit offen und ehrlich wahr nehmen. Um diese Interessengemeinschaft möglichst in ein schlechtes Licht zu rücken, scheut man deshalb leider auch nicht vor Lügen, falschen Verdächtigungen und Anschuldigungen, sowie diffamierenden Unterstellungen zurück. Mit diesem Artikel versuche ich dieser Entwicklung mit offener, erklärender Transparenz entgegen zu wirken.

REALOS nennt sich eine deutschsprachige Vereinigung (kein Verein!) von Frauen und Männern, die von echtem/wahrem Transsexualismus (HBS) betroffen sind. Derjenige Transsexualismus also, der von Harry Benjamin ursprünglich auf seiner Skala unter Typ sechs eingestuft worden wäre und von dem man schon damals vermutete, dass er neurobiologische, kongenitale Ursachen haben könnte. Dieser Verdacht wurde inzwischen anhand zahlreicher Studien und Forschungsergebnisse bestätigt. Die Betroffenen sind sich dabei meist seit frühster Kindheit über ihre angeborene, wahre Geschlechtsidentität bewusst und leiden unter den ganzen verheerenden, stigmatisierenden, gegengeschlechtlichen Körperentwicklung, beziehungsweise Körpermerkmalen/Unstimmigkeiten, die nicht mit ihrem angeborenen "Gehirngeschlecht" übereinstimmen.

Die Gewissheit um ihre eigentliche, wahre Körperidentität (männlich oder weiblich) ist bei ihnen im Gehirn bereits verdrahtet. Deshalb streben REALOS unter anderem bestmögliche, körperliche Angleichung an, bei der möglichst alle korrigierbaren, gegengeschlechtlich entwickelten, stigmatisierenden, körperlichen Fehlentwicklungen und belastenden Unstimmigkeiten beseitigt, beziehungsweise korrigiert werden. Eine ganzheitliche, bestmögliche Geschlechtsangleichung wird also in der Regel von allen Mitgliedern der REALOS angestrebt. Dazu gehört für die Betroffene auch eine Genitalangleichung, die ihnen erstmals auch das Ausleben einer ihrem "Gehirngeschlecht" und ihrer Sexualpräferenz entsprechenden, würdigen, vernünftigen Sexualität ermöglicht.

Bei den REALOS finden sich Menschen aller Altersgruppen, sexuellen Präferenzen und politischer Couleur, genauso wie man dort Menschen mit unterschiedlichsten Meinungen und Ansichten antreffen kann. Eine Gemeinsamkeit eint jedoch alle REALOS und zwar die Gewissheit, dass sie alle an dem selben transsexuellen Syndrom leiden und sich die Bedürfnisse und Ansprüche an eine bestmögliche, ganzheitliche, körperliche Angleichung decken. Die betroffenen Frauen und Männer sehnen sich einfach nur nach Normalität und schöpfen deshalb all ihre realen Chancen aus, dieses Ziel auch zu erreichen. Sie wollen sich von diesem schrecklichen, körperlichen Leidensdruck befreien und streben in der Regel ein normales Leben innerhalb unserer zweigeschlechtlichen Gesellschaft an, wobei natürlich anerkannt wird, dass es auch andere Lebensmodelle geben mag.

Die REALOS verstehen sich in erster Linie als Selbsthilfegruppe. Es geht zum Beispiel um Hilfe bei den ganzen Problemen, die während der Angleichungszeit oder auch später auftreten könnten. Es werden untereinander Tipps ausgetauscht. Es wird über bestmögliche, medizinische Behandlung diskutiert. Neuste Studien werden vorgestellt, neuste Operationstechniken besprochen. Auch vor schlechten Operateuren/Medizinern oder z.B. zweifelhaften Gutachtern wird gewarnt. Oder man berät sich zu Veränderungen und Verbesserungen bei der Behandlung unseres Syndroms. Negative und positive Erfahrungen werden geteilt und ausgetauscht. Empfehlungen und Ratschläge werden abgegeben. Oder man hört den Menschen einfach nur geduldig zu und ist für sie da. Andere weinen sich aus, laden ihren ganzen Kummer, ihr ganzes Leid und ihre Qualen ab. Wiederum andere werden getröstet oder sie bekommen aufbauenden Zuspruch. Wertvolle Freundschaften werden innerhalb dieser Community geknüpft. Es wird viel gelacht, geklönt, politisiert und manchmal auch gestritten. Auch bei Fragen zu Integration, Beruf und Familie werden gerne Hilfestellungen und Ratschläge gegeben. Sogar seiner Wut darf man gepflegt freien Lauf lassen, darf über erlebte Ungerechtigkeiten schimpfen und sich aufregen. Als REALO kann man sich in der Gruppe aufgefangen fühlen und darf auf Verständnis hoffen, bei seiner Problematik verstanden zu werden. Auch Angehörige werden mit Rat und Tat unterstützt.

Die REALOS verstehen sich aber auch als Netzwerk und Interessengemeinschaft, die jederzeit bereit wäre, über ihre Problematik mitbestimmen zu wollen und aktiv bei der Gestaltung gesellschaftspolitischer, künftiger Veränderungen und Entwicklungen bezüglich der transsexuellen Problematik/Thematik Verantwortung zu übernehmen, und sei es nur, indem man den verantwortlichen Stellen dabei beratend zur Seite steht. Die REALOS sind also ansprechbar. Sie beißen nicht.

Die REALOS sind sich bewusst, dass sie an keiner Geschlechtsidentitätsstörung leiden und deshalb zu Unrecht unter der stigmatisierenden Notation F64.0 diagnostiziert werden. Sie wissen, dass sie mit diesem neurobiologisch erklärbarem, kongenitalen Syndrom bereits geboren wurden. Sie würden wahrscheinlich nur schon deshalb geschlossen für eine Umklassifizierung, beziehungsweise der Schaffung einer neuen ICD-10 Notation in den korrekten Q-Bereich einstehen, wenn dies denn wirklich möglich wäre.

Bemühungen aus Transsexualismus ein neues, entpathologisiertes, buntes, queeres Lebensmodell zu kreieren, werden von den REALOS jedoch abgelehnt. Auch vor sonstiger falscher Vereinnahmung durch Transgender distanziert man sich, zumal die Problematiken und Beweggründe dieser Gruppierungen komplett unterschiedlich sind, also absolut keine Gemeinsamkeiten miteinander aufweisen. Den REALOS ist es wichtig, dass ihre ernsthafte Problematik auch in Zukunft ernst genommen wird, beziehungsweise nicht verzerrt und/oder gar ins lächerliche gezogen wird. Für betroffene Menschen darf sich bei der medizinischen Behandlung nichts zum Schlechteren wenden, sondern muss laufend verbessert werden.

Die Informationsseite der REALOS erreicht man unter folgendem Link:
http://www.transsexuell-forum.de

Das geschützte, sichere und vertrauliche Forum der REALOS erreicht man über folgenden Link:
Forum der REALO Selbsthilfegruppe

Abschließend möchte ich hier noch jedem Kritiker der REALOS, die sich von ihnen nicht oder ungenügend vertreten und verstanden fühlen, ans Herz legen, dass sich das dann wohl auch auf Gegenseitigkeit beruhen könnte. 

Schon mal darüber nachgedacht?

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Donnerstag, 23. Februar 2012

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