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Was ist das Harry Benjamin Syndrom, beziehungsweise HBS?
Das Harry Benjamin Syndrom (HBS) ist ein kongenitaler (angeborener) intersexueller Zustand, der sich bereits in einem frühen Stadium der Schwangerschaft (pränatal) entwickelt.
Demnach hätte ein Mädchen, das mit dem Harry Benjamin Syndrom (HBS) geboren wird, ein geschlechtlich-kodiertes "Frauengehirn", ihre körperlichen Geschlechtsmerkmale (sowie Genital und Gonaden) würden jedoch männlich aussehen. Und umgekehrt hätten die Jungs mit dem Harry Benjamin Syndrom (HBS) weibliche körperliche Geschlechtsmerkmale (sowie Genital und Gonaden), obwohl ihr Gehirn bereits im Mutterleib männlich kodiert wurde. Beim Harry Benjamin Syndrom (HBS) handelt es sich um keine Geschlechtsidentitätsstörung
So konnte der niederländische Neurobiologe Dick Swaab und seine Kollegen bereits vor Jahren anhand einer Studie, bei der die Gehirne von sechs verstorbenen, vom HBS betroffenen Frauen mit den Gehirnen genetischer Frauen und Männer verglichen wurden, erfolgreich nachweisen, dass die BST-Kerne im Hypothalamus der sechs verstorbenen, vom HBS betroffenen Frauen der Größe der Kerne der genetischen Frauen-Vergleichsgruppe entsprach, ganz im Gegensatz zu den Gehirnen der Männer, deren BSTc im Durchschnitt mehr als doppelt so groß wie bei den Frauen war. Die Größe der Kerne der vom HBS betroffenen Frauen entsprach also eindeutig dem Geschlecht ihrer weiblichen Identität. Eine Abhandlung zu dieser Studie finden sie hier: Studie
Unser eigentliches Geschlecht, unser „Gehirngeschlecht", ist angeboren. Das jeweils zutreffende, wahre Geschlecht wird durch die Gehirnstruktur und nicht etwa durch die Genitalien definiert. Interessante Ausführungen zu Gehirnen von Mann und Frau und deren Unterschiede finden Sie hier: Männliches und weibliches Gehirn - Was Männer und Frauen im Kopf haben
Bisher lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen, welche Auslöser, respektive Ursachen für die Entstehung des Harry Benjamin Syndroms (HBS) verantwortlich zu machen sind. Verschiedene Faktoren könnten dabei eine Rolle spielen. So glaubt man zum Beispiel, dass unter anderem Hormonstörungen während der frühen Schwangerschaft dafür verantwortlich gemacht werden könnten. Bereits die Forschergruppe um Professor Milton Diamond und Dr. H. Keith Sigmundson hat am Beispiel bestimmter genitaler Körperzellen zeigen können, dass es unter dem Einfluss pränataler Hormonwirkungen zur unwiederbringlichen Änderung genetischer Programme kommt, die zeitlebens nachweisbar bleiben. Professor Milton Diamond und Dr. H. Keith Sigmundson untersuchten übrigens bereits den bekannten, tragischen Fall des David Reimer.
Der Neuroendokrinologe Professor Stalla und seine Mitarbeiter überprüften ebenfalls diese Hormonstörungs-Hypothese. Dazu wurden unter anderem bei mehr als 100 betroffenen HBS-Frauen das Verhältnis der Länge von Zeige- zu Ringfinger untersucht. Das Ergebnis lieferte für betroffene HBS-Frauen eine bestätigende biologische Erklärung für die Entstehung des Harry Benjamin Syndroms (HBS) und stützte im Endeffekt die Hypothese pränataler Hormonstörungen. Einen Artikel zur Studie von Professor Stalla finden Sie hier: Artikel
Professor Vincent Harley vom Institute of Medical Research in Melbourne/Australien glaubt außerdem anhand einer Studie belegen zu können, dass er bei Frauen mit dem Harry Benjamin Syndrom eine genetische Veränderung in Form eines längeren Rezeptoren-Gen gefunden hat. In dieser bisher größten genetischen Studie, bei der die Gene von 112 weiblichen vom HBS betroffenen Frauen, sowie im Vergleich die Gene von 258 gewöhnlichen Männern untersucht wurden, fanden sie heraus, dass die Frauen mit HBS häufig ein übermäßig langes Gen für den Androgenrezeptor besitzen, für ein Molekül also, das im Körper die Wirkung des männlichen Sexualhormons Testosteron vermittelt. Ein langes Gen ist weniger tüchtig als ein kurzes. Im Mutterleib könnten die Kinder daher weniger Testosteron ausgesetzt gewesen sein, vermuten die Forscher um Vincent Harley. Das Gehirn sei deshalb während der Fötal-Entwicklung feminisiert worden. Einen Bericht zu dieser Studie finden Sie hier: Artikel und in dieser Abhandlung auch nochmals ausführlich als PDF-Datei.
Bei einer anderen Studie der Universität Göteburg in Schweden, bei der 29 Mann-zu-Frau Betroffene mit 229 gesunden Männern verglichen wurden, um die mögliche Rolle von Sexualsteroid-Genen bei der Entstehung des Harry Benjamin Syndroms zu untersuchen, konnten ebenso genetische Auffälligkeiten nachgewiesen werden. Diese Studie erhärtete ebenfalls den Verdacht, dass für die Entwicklung eines Harry Benjamin Syndroms körperliche Ursachen verantwortlich zu machen sind. Diese Studie finden Sie hier: Studie
Und in der Abteilung für Klinische Neurowissenschaften des Karolinska Universitäts Hospitals Stockholm in Schweden setzte man während einer Studie MzF-Betroffene dem Geruch von bestimmten "duftenden" Steroiden aus und untersuchte während dieses Vorganges das Muster der daraus entstandenen cerebralen Aktivitäten und Reaktionen innerhalb der Hypothalamus Region. Bei diesen Versuchen konnte belegt werden, dass dieses Muster (im Gegensatz zu den getesteten Männern) von ihrem eigentlichen biologischen Geschlecht abwich und überwiegend weibliche Merkmale aufwies. Einen ausführlichen Bericht zu diesen Tests finden Sie als PDF Datei hier: Bericht zu dieser Studie
Im Oxford Journal "Brain" (Journal of Neurology 2008) wird in einer Abhandlung von A. Garcia-Falgueras und D. F. Swaab des Instituts für Neurowissenschaft in Amsterdam ebenfalls nochmals ausführlich auf die atypischen cerebralen Hypothalamus Aktivitäten, bzw. Schaltungen bei Betroffenen eingegangen. Diese Abhandlung finden Sie unter folgendem Link als PDF Datei: Abhandlung
Und in einer Studie der Uni Essen wurde mit Hilfe funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) festgestellt, dass Frauen mit dem Harry Benjamin Syndrom (HBS) auf visuelle erotische Stimuli eher mit einem weiblichen Aktivierungsmuster reagierten. Diese Studie finden Sie als PDF-Datei hier: Studie
Eine weitere Bestätigung, die ein cerebrales Muster für die Entstehung des Harry Benjamin Syndroms vermuten lässt, offenbarte eine Studie der Abteilung für Neurologie, UCLA-medizinische Fakultät, Los Angeles, USA. Lesen Sie bitte hier: Forschungsergebnisse
Wie Sie sehen, können möglicherweise sogar verschiedene Faktoren für die Entstehung des Harry Benjamin Syndroms (HBS) verantwortlich sein. Im Gegensatz zu den meisten intersexuellen Syndromen ist es bisher aber leider nicht möglich, HBS bereits zum Zeitpunkt der Geburt diagnostizieren zu können. Deshalb werden Kinder mit dem Harry Benjamin Syndrom (HBS) unglücklicherweise oftmals in eine falsche Geschlechterrolle gezwängt und dementsprechend falsch sozialisiert. Eine Früherkennung im frühen Kindesalter ist ebenfalls immer noch enorm schwierig.
Die eigentliche Geschlechtsidentität wird also übers Gehirn definiert. Sie ist bereits angeboren. Die Geschlechtsidentität ist im zentralen Nervensystem des Gehirns fest verdrahtet, oder noch einfacher und laienhafter ausgedrückt, weicht die Geschlechtskodierung im Gehirn bei HBS Betroffenen von der eigentlichen körperlichen Geschlechtszuweisung ab. Immer öfters wird in diesem Zusammenhang auch von einer hirnorganischen oder cerebralen Intersexualität gesprochen.
Man nimmt an, dass im Vergleich zu anderen intersexuellen Syndromen, wie zum Beispiel dem Klinefelter Syndrom, das Harry Benjamin Syndrom (HBS) ca. zweimal häufiger vorkommt und im Vergleich zum Turner Syndrom ca. fünfmal häufiger. HBS ist also ebenfalls recht selten und darf auf keinen Fall bei der Errechnung der Prävalenz dem selbst gewählten Transgender-Lifestyle untergeordnet werden. Wenn man aber von der Zahl der bereits operierten Frauen in den USA ausgeht, könnte das Verhältnis bei erwachsenen Menschen ungefähr bei 1:2500 liegen. Der Anteil HBS betroffener Frauen liegt wahrscheinlich höher als bei den Männern. Außer Schätzungen existieren bisher aber noch keinerlei gesicherten, zuverlässigen Zahlen zur Prävalenz von HBS und dem jeweiligen Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Dieser Wert ist also mit Vorsicht zu genießen, denn nicht jeder Mensch, der sich einer körperlichen Angleichung unterzieht, muss auch automatisch vom HBS betroffen sein. Manche haben dafür nämlich auch ganz andere Gründe und Motive.
Meist wird das Harry Benjamin Syndrom (HBS) bei Betroffenen erst nach ihrer Kindheit diagnostiziert, oftmals erst zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr. Sogar fortgeschrittenes Alter hält Betroffene in der Regel nicht davor ab, sich körperlich und hormonell ihrem eigentlichen "Gehirngeschlecht" angleichen zu lassen. Betroffene wissen aber meist seit frühster Kindheit oder spätestens ihrer Pubertät, dass bei ihren körperlichen Geschlechtsmerkmalen was falsch gelaufen ist. HBS kann medizinisch natürlich nur von erfahrenen, kompetenten Therapeuten diagnostiziert werden. Je früher das Harry Benjamin Syndrom (HBS) erkannt wird, je besser lassen sich auch dessen Symptome beseitigen, respektive behandeln. Bei einigen HBS Fällen wurde eine Behandlung sogar bereits vor der Pubertät eingeleitet. Bei gestellter Diagnose behebt die korrekte körperliche Behandlung (ganzheitliche Geschlechts- und Genital-angleichende operative Maßnahmen, sowie entsprechende Hormontherapie) in der Regel die Begleiterscheinungen dieses Syndroms. Von allen Betroffenen wird bestmögliche körperliche Angleichung angestrebt.
Bei unbehandelten HBS Menschen liegt die Selbstmordrate bei tragischen 31%. Nach hormoneller und chirurgischen Behandlung ist jedoch nur noch eine Selbstmordhäufigkeit wie beim Rest der Bevölkerung feststellbar. Die Erfolgsquote bei richtiger Behandlung liegt bei über 97%! (Quelle: http://www.helium.com)
Psychologisch-therapeutische Begleitung kann für Betroffene aber unter Umständen ebenfalls sehr nützlich, bzw. hilfreich sein. Im Zusammenhang mit psychologischer Begleitung ist es jedoch nochmals enorm wichtig zu betonen, dass HBS keine psychische Erkrankung ist, sondern ein neuro-biologisch, medizinisches, "körperliches", intersexuelles Syndrom. HBS kann nicht mit Psychotherapie weg therapiert werden!
Rechtliche Belange für Menschen mit dem Harry Benjamin Syndrom (HBS) werden in Deutschland derzeit für gewöhnlich noch über das "Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen", dem sogenannten Transsexuellengesetz (TSG), geregelt. Das Transsexuellengesetz finden Sie hier: TSG Download Diese Seite als PDF-Datei downloaden: 
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